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'Beziehungsunfähige Menschen gibt es nicht' - Franziska Iwanow im Interview

Fotografie in Regensburg

Die Mitinhaberin der 'Praxis Phoenix' erzählt über ihre Arbeit

Wer bist Du und was machst Du?
Ich heiße Franziska, bin 33 Jahre alt und habe mit meinem Mann und einem gemeinsamen Freund eine Praxis - inzwischen seit sieben Jahren. Ich mache dabei den Coaching-Bereich, d.h. ich coache "normal-neurotische" Menschen, ich nenne es Hilfe beim "Alltagswahnsinn".

Damit ich mir das besser vorstellen kann: gibst Du mir bitte ein Beispiel?
Der Klassiker ist zum Beispiel irgendeine Form von Beziehungsproblem. Mit dem Partner läuft es nicht so, ich habe eine gewisse Hilflosigkeit. Ich denke dann wenn der Partner sich verändert geht's mir besser. Liebeskummer. Probleme mit dem Chef. Das Elternhaus spielt übrigens bei diesen Themen oft eine große Rolle.

Das heißt ich kann mit jedem Problem zu Dir kommen?
Im Prinzip ja. Ich helfe letzten Endes den Menschen zur Selbst-Verantwortung zu kommen. Zum Beispiel ein Mann der im Berufsleben ganz souverän ist, Entscheidungen treffen kann, gut verdient. Sobald der vor seinen Eltern steht kann der aber gar keine Entscheidungen mehr treffen bzw. beugt sich dem was die Mutter sagt. Die Folge ist, er wird sauer auf die Eltern, das Verhältnis wird schwierig, er ist genervt. Der kommt dann hierher in die Praxis und will wissen wie er seine Mutter erziehen kann (lacht).

Und wie hilfst Du ihm dann?
Indem ich ihm zeige daß er die anderen Menschen nicht ändern kann. Auch nicht die Eltern. Aber daß er selbst in der Hand hat welche Gedanken er glaubt, wie er sich fühlen will, wie er sich verhält. Ein Klassiker ist "meine Mutter sollte mich respektieren". Dann überprüfen wir zusammen ob er überhaupt erst 'mal seine Mutter respektiert in all seiner Verurteilung und vor allem ob er sich selbst respektiert. Und dann geht's los.

Wie lange bist Du schon selbstständig und was hast Du vorher gemacht?
Seit 2009. Vorher habe ich studiert und Kinder gekriegt (lacht). Zuerst habe ich in Bamberg studiert, dort habe ich mit Soziologie und Kommunikationswissenschaften angefangen. Es sollte nämlich in Richtung Journalismus gehen. Ich wollte Wahrheit, Zusammenhänge verstehen und erklären. Dann bin ich ungeplant schwanger geworden.

Gibts das wirklich noch?
Offensichtlich (lacht)! Ich bin dann nach Regensburg zu meinem Freund, meinem jetzigen Mann, gezogen und habe mich dann für Sozialarbeit an der FH eingeschrieben weil es meine Fächerkombination nicht gab. Als dann Noah auf die Welt kam hat Bernd kurz vor dem ersten Staatsexamen sein Jurastudium geschmissen und hat die Ausbildung zum Heilpraktiker angefangen. Ja, mit den Kids haben sich meine ja unsere Werte nochmal komplett verändert. Ich habe dann parallel zum Studium verschiedene modulare Ausbildungen gemacht z.B. für Aufstellungsarbeit, Kinderyogalehrer, Körperpsychotherapie, Entspannungspädagogik. Ich habe da viel von meiner Mutter mitbekommen, die hatte Krebs und laut Schulmedizin noch ein halbes Jahr zu leben. Sie hat dazu aber "Nö" gesagt, hat sich nicht operieren lassen, ihr Leben komplett geändert, die Ernährung umgestellt, mit Yoga angefangen, die dahinter stehende Philosophie gelernt, hat ganz viel Vergangenheitsbewältigung und "Innenschau" gemacht. Zum Beispiel mit einer Technik namens "The Work", welche ich heute selbst verwende. Meine Mutter meint The Work hat ihr das Leben gerettet! Sie hat dann die Ausbildung zur Heilpraktikerin gemacht und zu ihrem 40. Geburtstag ihre Praxis eröffnet. Heute ist sie wieder superfit. Deshalb war diese "ganzheitliche" Sicht schon mit zehn, elf Jahren für mich total normal. Trotzdem habe ich zunächst was Anderes gemacht. Ich weiß aber noch wie ich während meines Studiums frustiert war weil keiner zuhören wollte. Ich war idealistisch, wollte die Welt verändern und mich engagieren. Und ich erinnere mich gut daß ich in meinem Studenten-Zimmer in Bamberg saß und im Fernsehen gesehen habe daß Bush wiedergewählt wurde. Ich dachte damals „Die Menschen sind dumm und lernen nicht aus ihren Fehlern, die Welt geht den Bach runter.“ Da war mir klar, Welt retten im Außen, das funktioniert so nicht. Wahrscheinlich hätte ich mich dann total hängenlassen, aber dann ist ja unser erster Sohn auf die Welt gekommen. Das war die große Änderung, ab da habe ich an der richtigen Stelle gesucht und kapiert, dass ich nur mich selbst und damit dann auch meine Resonanz ändern kann. Wenn ich in einer friedlichen Welt leben will, muss ich erst mal selber aufhören, ständig zu kämpfen.

Kinderyogalehrer hört sich super an. Wie bis Du dazu gekommen?
Ich bin selber zum Yoga gegangen, als Teilnehmer. Dann haben meine Kinder gefragt was machst du da, das will ich auch. Dann habe ich's ihnen gezeigt, wir haben das zusammen gemacht, sie haben es ihren Freunden gezeigt. Dann haben deren Mamas gefragt: willst Du nicht Kurse machen? Daraufhin habe ich die Ausbildung in München gemacht.

Ist Yoga so einfach daß die Kinder sich das untereinander beibringen können?
Im großen und ganzen ja! Beim Kinderyoga geht es nicht darum die einzelnen Bewegungen perfekt zu beherrschen. Sondern darum ein Körpergefühl zu bekommen, sich zu bewegen und das ganz spielerisch aufzunehmen. Meine Stunden sind auch immer in Geschichten aufgebaut. Zum Beispiel sind wir im Zoo, dann machen wir Figuren, die Kinder erfinden auch ihre eigenen wenn ich zum Beispiel frage "wie könnte ein Nilpferd aussehen". Mit den Yoga-Übungen verbessern sie auch ihr Gleichgewichtsgefühl und ihre Konzentrationsfähigkeit.

Dann frage ich mich: warum gibts da kein Schulfach?
Ich habe das sogar zwei Jahre lang über die VHS an der Grundschule in Sinzing unterrichtet. Viele Lehrerinnen haben mich eingeladen, in den Turnstunden mit den Schülern Yoga mal auszuprobieren. In der Montessori Schule in Essing bei Kelheim war ich letztes Jahr, das ist eine ganz kleine Schule, die probieren viel aus. Aber zur Zeit ist in unserm Schulsystem wie es jetzt besteht kein Geld für so etwas da. Noch nicht. Ich glaube das kommt noch.

Wie kommst Du denn an Deine Klienten? Machst Du Werbung?
Hauptsächlich über Empfehlungen. Auch über die Homepage. Eine aktuelle, gute Homepage ist wichtig. Ich nutze Facebook relativ viel. Aber ich würde sagen zu 80% kommen die Leute über Empfehlungen, und das war ziemlich von Anfang an so.

Das heißt es hat von Anfang super funktioniert?
Nö, die ersten vier Jahre nicht. Da hat mein Mann Bernd noch nachts in der Gastro gearbeitet. Weil wir immer nur stundenweise arbeiten konnten wegen den vier Kindern. Aber meinen "Weiber-Workshop" (lacht) gibts von Anfang an, der ist jetzt immer ausgebucht, also tatsächlich heißt der "Heilung der Weiblichkeit", den gibts mit zwei Durchgängen im Jahr - und Aufstellungen jeden Monat. Und da gibts jetzt eine Jahresgruppe, da treffen wir uns uns jeden Monat an einem Wochenende. Da helfen sich auch alle gegenseitig. Da bringen wir Körper, Geist und Seele in Einklang. Und das macht total Spaß.

Was würdest Du machen wenn Du nie wieder arbeiten müsstest?
(lacht) Genau das gleiche wie jetzt! Ich würde aber keine Rechnungen mehr schreiben, hätte eine große Bibliothek, aber alleine von den Handlungen würde ich genau das Gleiche machen wie jetzt. Aber ich wäre freier in der Zeiteinteilung.

Hilfst Du auch bei der Partnersuche?
Ja natürlich! Allerdings nicht in der Form daß ich dabei helfe andere zu manipulieren. Sondern ich räume Barrieren weg. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Ich halte das für unlogisch daß jemand "keinen abkriegt". Zum Beispiel war da eine Frau, verzweifelter Single, sie wollte unbedingt einen Mann. Dann haben wir ihre Überzeugungen angeschaut und durchsucht. Und dann kam raus: Männer sind in ihren Augen entweder Machos oder Weicheier. Beides wollte sie nicht. Dazwischen gab's aber für sie nichts! Oder "wenn ein Mann an meiner Seite ist muß ich mich anpassen" - das wollte sie auch nicht. Im Tagesbewusstsein wollte sie einen Partner. Im Unterbewusstsein sagte sie jeoch zu sich selbst "du spinnst doch, lass das mal lieber bleiben".
Zu Beginn meiner Praxis hatte ich 'mal einen Mann als Klienten, vierzig Jahre alt, gutaussehend, charmant, konnte super leicht Frauen kennnenlernen. Und Essen gehen, Spaß haben war okay - aber keine Nähe. Es war jedes Mal das Gleiche: Entweder er konnte keine Nähe ertragen oder die Frauen haben das nicht zugelassen. Dann hat er von mir die Hausaufgabe bekommen er soll sich hinsetzen und 7 Tage lang jeden Tag aufschreiben "was denkt es in mir über Frauen". Und zwar *unzensiert*. Und "es" ist deshalb wirklich wichtig weil klar werden sollte daß wir nicht unsere Gedanken sind. Daß wir diese verändern können. Dann hat er die ersten zwei Tage ein Loblied über Frauen geschrieben! Und dann so ab dem dritten Tag kippte das. Am letzten Tag stand dann da in wutverzerrter Schrift "Frauen sind manipulativ, intrigant, spielen Spielchen" usw. Und das war das was sein Unterbewusstsein gesagt hat! Und klar hat er deshalb keine Frauen an sich 'rangelassen. Dann haben wir geguckt: woher kommen diese Überzeugungen? Diese hatten ihren Ursprung in seiner Familie, bereits im kleinsten Alter. Und dann hat er im Prinzip mit meiner Unterstützung sein Unterbewusstsein "umprogrammiert". Und jetzt hat er seit fünf Jahren eine Freundin (lacht). Da sieht man mal wieder daß "beziehungsunfähig" oder "bindungsunfähig" Quatsch ist - er hatte einfach einen "Schutzmechanismus" welcher ihm nicht bewußt war.

Kannst Du kochen?
(lacht) nein! Ich habe mit 18 Jahren meinen Freund kennengelernt und der kann kochen! Und meine Schwester hat Hauswirtschaft gelernt, da mußte ich mir vorher also auch schon keine Sorgen machen! Aber Backen kann ich gut (lacht).

Hast Du Deinen Mann angesprochen oder er dich?
Also mein Mann hat mir schon bevor wir zusammen waren mitgeteilt daß er mich heiraten wird. Da waren wir ja sogar noch in anderen Beziehungen! Ich habe mir nur gedacht "Du arroganter Gockel". Aber er hatte recht (lacht). Jetzt werden es dann 15 Jahre. Es war also kein Spruch zum Anbaggern, er scheint es einfach gewusst zu haben!

Was machst Du heute noch?
Ich fahre in die Mittelschule Alteglofsheim und leite da eine Arbeitsgruppe zum Thema Präsentationstechniken. Dann fahre ich nach Hause, mache mit den Kids Hausaufgaben, abends steht dann Entwurf und Versand vom E-Mail-Newsletter an. Und Verwaltungskram. Und wir schreiben abends mit den Kindern in einen Kalender drei Dinge die am heutigen Tag schön waren bzw. für welche sie dankbar sind. Und ich mache das natürlich auch. Das relativiert alles und macht vieles deutlich leichter!

Franziska, vielen Dank für das interessante Gespräch!
Für alle die mehr über Franziska's Arbeit wissen möchten:
http://www.praxis-phoenix.com/



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