Abo | 18.06.2019

Regensburg Regional

Nur Gute Nachrichten

Kochen und Coachen: Christoph Hauser

Das Interview führte: Thomas

Kochen und Coaching in Regensburg

Wir springen rein - Du in der Krabbelgruppe?

Ich war da der einzige Mann. In Amberg. In der Krabbelgruppe. Die Mädels dort haben mir da alle erzählt was sie für einen Stress haben! Und ich habe mich zwei Tage nach der Geburt unseres Sohnes selbstständig gemacht... also parallel aufgebaut, langsam wachsen lassen. Und ich habe das wirklich nicht verstanden! Ich habe den Lorenz im Auto mit dabei gehabt oder um den Bauch gebunden. Bin zum Bauern gefahren, hab die Kartoffeln geholt, war Einkaufen, aufm Markt, dann hat er irgendwann geschlafen, ich habe die Sachen ausgepackt - und dann war der Tag vorbei. Und die haben mir erzählt, sie *müssen* jetzt schnell - während das Kind bei der Oma ist! - Kochen um dann nachmittags Zeit zu haben um mit dem Kind auf den Spielplatz zu gehen.

Stress?

Wenn Du's nicht anders kennst! Ich glaube es geht darum: wie kann man das integrieren. Und wenn du sagst, es geht ums Liefern und die Leut' kennenlernen, oder auf den Markt gehen: Da geht's ned um drei Tomaten. Sondern da geht's um den Espresso, hey bist Du auch da, sollen wir nicht mal wieder ... deshalb habe ich mir diese Puffer eingebaut.

Wenn Du das liebst was Du tust mußt Du nie mehr arbeiten?

Ich erleb's im Catering. In ganz wenigen Fällen ist eine falsche Idee da über 'was macht der Hauser eigentlich'. In einem frühen Stadium ist es 'Ich will Thunfisch und Scampi", und das kann man eh oft abblocken. Da geht's um Budgetfragen, immer mal wieder. Der Maßanzug kostet halt mal mehr möglicherweise, und Catering ist auch nicht billiger. Das ist relativ einfach. Aber: letztes Mal hatte ich eine Kundin, die sagte "Ja und sie kochen dann für mich". Und ich meinte, jetzt lernen wir uns erstmal kennen! Und dieses Verständnis fehlt denen! "Wenn Du mich magst und meinst meine Küche schmeckt Dir. Und wenn ich Dich und Deine Gäste mag, und ich glaube ich kann Euch was Gutes tun. Dann wird das a schöne G'schicht". Aber nicht, wer zahlt schafft an! Das wird nix! Und dann wird's Prostitution. Das ist es glaube ich. Da ist man mittendrin, in: mit wem umgibt man sich, mit was umgibt man sich, was tut einem gut.
Deswegen war der Kochansatz ja nie "in einer perfekt gestalteten Küche mit dem besten Team macht man schöne Teller die dann anonym von einem perfekt ausgebildeten Service gebracht werden"! Jetzt war ja gerade Michelin-Sterne-Vergabe. In allen guten Küchen waren die Jungs am Handy gehangen und haben geschaut, wer kriegt die Sterne. Das ist ein hochspannendes Thema. Erstens ist bei diesem Michelin eine Entwicklung zu sehen, was mich sehr freut. Zum Beispiel das "Sosein" in Heroldsberg. Hat seinen zweiten Stern bekommen. Und der Felix und sein Team haben wirklich alles umgestellt. Die sind zu dritt, zu viert in der Küche, die relativ klein ist, und ganz normal - also keine komischen Geräte. Klar, die kommen alle aus dem Sterne-Bereich. Aber haben gesagt wir wollen das brutale Regional-Konzept. Und Nose-To-Tail, also alles verarbeiten, ganze Tiere. Die sind aber noch zwei Schritte weitergegangen und haben gesagt: Üblicherweise in dem Metier, in dem wir unterwegs sind, ist es so, daß wenn Du aus einer roten Beete am Ende einen gelierten gleich groß geschnittenen Würfel auf einem Teller mit der Pinzette anrichtest, dann müssen wir uns überlegen wieviel Pfannen, Schüsseln, Töpfe, das braucht, wieviel Materialverlust das erzeugt. Und ob dann in der Degeneration dieses Produkts und Wieder-Zusammenbauen das Produkt tatsächlich noch seinen Wert behält. Oder geht der unterdessen verloren?! Oder brauchen wir einfach zu viele Töpfe? Es gibt einen "Signature-Dish" von denen, das heißt Schlachtschlüssel. Also da haben sie die Leber vom Schwein geräuchert und getrocknet, und die wird dann da drüber gehobelt. Aber das Entscheidende ist eigentlich: Sie haben ausprobiert, was ist die beste Kartoffel! Also nicht nur die Sorte, sondern auch welche Zubereitungsart. Und da waren alle der Meinung, eine Kartoffel zu kochen und abkühlen zu lassen und wieder aufzuwärmen schadet. Also ist in diesem Gericht das was die meiste Arbeit macht die Kartoffeln hinzustellen, zu kochen, und à la minute zu schälen. In der Sternegastronomie. Das ist grandios! Die haben's wirklich verdient.
Das ist die eine Seite. Bei denen stimmt halt auch die Stimmung im Team. Johnny Lemberger der den Regionaltisch in Altmugl macht, der hat bei Felix Schneider mal ein Praktikum gemacht, der hat gesagt er hat noch nie so eine entspannte Küche erlebt. Es stimmt die Philosophie. Und es stimmt die andere Seite. Ich nenne keine Namen, aber man kennt ja Orte bei denen Perfektion auf den Tellern abgeliefert wird aber das Personal eben nicht gut behandelt wird. Und ich bin der Meinung das entwertet. Das kann nach außen hin toll sein, aber wenn der Spüler nicht ordentlich bezahlt wird, oder der Lehrling Angst hat in die Arbeit zu gehen, dann stimmt was nicht. Das geht nicht! Das tut man nicht!

Kommen wir (zurück) zur Essenz der Dinge?

Und es gibt ja die Frage auch bei Büros: warum? Warum plant der Architekt die Kaffeebar in der Mitte? Und dann kommt der Abteilungsleiter und sagt, "ihr habts aber schon ausgestempelt, gell?!". Das ist das was passiert wenn der Spirit nicht durchdringt. Ich finde den Satz "keiner ist unersetzlich", der kann ganz bösartig rüberkommen, so nach dem Motto ich kann dich morgen feuern. Er kann aber auch wahnsinnig entlastend sein. Und diese Küche mit dem Tisch in der Mitte war immer eine Bühne. Und es war klar, wenn man auf die Bühne geht muß man ein Lächeln im Gesicht haben oder die Leute begrüßen wollen. Das ist ja wie daheim. Wenn Du Gäste eingeladen hast, und hattest gerade einen Streit, dann sagst' besser ab, weil sonst wirds schief. Und ich hab gesagt, wenn's wirklich mal so ist, Leut, daß einer nicht kann, dann soll er's halt sagen. Dann werden wir's auch anders wuppen. Und irgendwann war ich mal 'tot'. Und dann sagen mein Lehrling und mein Küchenchef 'kannst ja gehen'. Und ich meinte, echt? Und sie, ja, wir machen das schon. Daraufhin ich, okay, dann gehe ich jetzt vier Stunden und komme heute abend wieder. Wie geil ist das wenn Du an dem Punkt bist!
Oder meine Tochter, damals 10 Jahre alt: 'Papa, kocht der Suppl eigentlich besser wie Du?' Supple bedeutet Supreme, also mein Küchenchef. Einer der nettesten Menschen auf diesem Planeten! Das ist so lustig: Der hat sich in Nepal in seine Frau verliebt, ist dann mit nach Deutschland, wohnt in Langquaid und spricht nur Bayrisch. Also Bayrisch mit nepalesischem Akzent. Grandioser Typ. Also, kocht der Suppl besser wie Du. Dann mußt' schon kurz nachdenken. Hat dann irgendwas mit Ego zu tun und so. Dann habe ich zur Jule gesagt, manches kann der Suppl besser und manches kann ich besser. Der Suppl kann den besseren Schweinebraten, ich kanns bessere Curry. Aber des passt scho. Und sie antwortet 'und warum darf der für dich arbeiten?'. Und ich 'das ist relativ einfach, weil ich mir sinnvollerweise Leute such' für Dinge die ich selber nicht kann oder nicht mag oder ich die Zeit nicht hab. Aber wenn ich jemandem schon mein Geld gebe, dann niemandem der schlechter ist. Da wär ich ja völlig bescheuert! Aber unternehmerisch erlebt man das nicht so selten. Daß bloß keiner hochkommt! Daß es bloß niemanden gibt der was anderes kann wie ich. Schade! Ihr verzichtet auf Kompetenz.

Warum hast Du denn aufgehört im Obermünster?

Die Frage ist ja erstmal warum habe ich das angefangen? Auf der Homepage steht ja Koch, Coach, Ideenfabrikant. Ich glaube relativ breit aufgestellt zu sein - was meine Interessen angeht - ist manchmal ein Vorteil und manchmal ein Nachteil. Angefangen habe ich die Kochlaufbahn nach'm abgebrochenen Grundschullehramtsstudium. Ich habe elf Semester hier in Regensburg studiert. Da war mir nie langweilig. Habe auch eineinhalb Jahre 'wenig studiert', den 98er Schröder-Wahlkampf organisiert als SPD-Geschäftsführer. Und war tatsächlich auf einem ähnlichen Weg wie der Joachim Wolbergs. Und habe dann gemerkt daß Freunde zu mir sagen 'bist herzlich eingeladen, aber wir reden nicht über Politik'. Ich bin einer der sich in einer Sache verrennt, weil ich es auch gern mag mich wo reinzugraben. Aber in dieser Politik ist es so: Wenn Du am Wahlkampfstand stehst, und der stramme CSUler kommt, und kritisiert dich und die Partei, für eine Sache die du selber nicht gut findest. Dann wirst du einen Teufel tun und sagen, ja, hast ja recht. Sondern dann gehst du auf Grundlinie zurück und verteidigst da. Das ist schon okay. Nur wenn die Kritikfähigkeit und die eigene Reflexion nicht mehr so stattfindet, weil du so in deinem Tunnel bist... und das ist das große Problem von Vielen die ihr großes Engagement nicht abgefedert haben durch Freunde und ein anderes Umfeld. Wenn du's nur noch erzählst und es irgendwann selber glaubst, deine Schallplatte, dann wird's echt schwierig. Das habe ich unter anderem an mir gemerkt, unabhängig davon daß es keine gute Perspektive ist ohne einen gelernten Beruf da etwas zu tun. Dieses Grundschullehramtsstudium habe ich wirklich gerne gemacht, und ich habe wirklich gerne studiert. Ich habe Politikwissenschaft-Tutorien gehalten. Aber ich halte es für einen großen Fehler dass in den Siebzigern die pädagogische Hochschule an die Uni gekommen ist. Weil alle um mich herum, die mit mir studiert haben, auf der Suche nach dem Rezeptzettel waren. Und es wäre aus meiner Sicht viel sinnvoller die Erzieher und Erzieherinnen, die Grundschullehrer und Grundschullehrerinnen, gemeinsam ... Nein, anderes Thema.

Auf jeden Fall: ich bin nicht gemacht für ein staatliches Schulsystem. Kann ich nicht, weil morgen früh wenn ich aus der Dusche komm' und eine Idee hab', dann hängts von meinem Netzwerk, meinen Ideen und meinem Kontostand ab ob ich die umsetzen kann. Und nicht von einem kultusministerialen Filter. Aber man kriegt natürlich als Mann im Grundschullehramtsstudium, noch dazu als einer der den Mund aufmacht, positives Feedback. Und sich dann selber einzugestehen, ich kann und mag das nicht, dauert dann a bissel länger. Kochlehre war dann ... es war nicht so daß ich mein Leben lang schon immer begeistert gekocht hätte. Sondern das hat nach 'was ausgeschaut, wo man einen klar umgrenzten Bereich hat, und danach fertig ist. Und das ist ein Faszinosum am Kochen, daß Du von der Planung, über ich-krieg-das-Gemüse-geliefert, oder hol's ab, ein riesen Berg, verarbeite den, dann isst' da was - die Show ist ja relativ kurz - dann ist es immer viel Putzen und Aufräumen, und dann im Idealfall gehst Du heim, bist müde, zufrieden, hast Leute zufrieden gemacht und das Ding ist gegessen. Im wahrsten Sinne des Wortes (grinst). Bis 27 Jahren also Kochlehre. Dann war mein Sohn unterwegs. Es war klar, meine Frau verdient mehr. Ich habe die 10-Jahre-durch-die-Welt-tingeln nicht mehr. Weder kräftemässig, noch altersmässig, noch von der Moral her - ich war jetzt örtlich gebunden. Und ich habe in der Lehre schon festgestellt, von einem 26-Jährigen wird etwas anderes erwartet als von einem 17-Jährigen. Egal welchen fachlichen Wissensstand du hast. Das heißt, also Jungkoch irgendwo anzufangen ist schwierig. Also habe ich Praktika gemacht und überlegt, wie kann ich mich selbständig machen?

Wolltest Du das schon immer, Dich selbstständig machen?

Es war irgendwie klar. Wenn niemand bietet was du willst dann musst du's selber tun. Über die Frage eines Businessplans habe ich mir damals keine Gedanken gemacht. Es war ja auch abgefedert, muß man ehrlich sagen. Aber es war klar, für ein eigenes Restaurant, da bist' mit 350.000 Euro dabei, das war damals so, heute ist's a bissl mehr. Man kann sich selber bescheissen und sagen die Brauerei zahlt ja. Aber das ist ja nix anderes als ein Handyvertrag. Dann gehts halt auf Zeit. Also 350.000 habe ich nicht. Dann habe ich überlegt, was brauche ich eigentlich, neben dem Messer und der Kochjacke: die Töpfe, den Herd, die Toilette, das Geschirr, den Tisch, die Stühle, die Abfallsituation. Wer hat das? Jeder daheim! Und dann habe ich mich 2003 als Ich-AG mit einem Miet-Koch-Service selbständig gemacht. Also ich geh zu den Leuten, koch bei dir daheim, mach' halt dann für zehn, zwölf Leute irgendwie Taufe. Das ist spannend, weil ich habe Dinge gelernt von denen ich nicht wußte daß ich sie lerne. Also, die Art und Weise wie du eingerichtet bist sagt natürlich viel über das aus was deine Erwartungshaltung ist. Manchmal brauchts eine Servicekraft, manchmal brauchts keine. Wenn in der Gästetoilette die gestärkten Handtücher liegen dann wird ein anderer Servicestandard erwartet als wenn's Ikea-Spielzeug am Boden liegt. Und das ist nix was es zu bewerten gilt. Sondern es ist nur wichtig zu wissen! Also war klar, Vorgespräch beim Kunden, Kochen beim Kunden, sich in ein System einordnen, schauen wie pass' ich da rein. Dann parallel schon die Kochkurse, und ich habe Praktika gemacht. Eines beim Frank Buchholz in Mainz, der war ganz früher bei den Kochprofis oder Kochduell oder sowas. Der hat damals Deutschlands beste Kochschule gehabt. Da kamen die Manager aus Frankfurt, hochspannend. Unten sein Sternerestaurant, oben die Kochschule. Und ich hatte immer ein Problem mit meinen 26 Jahren, wenn dann so ein gestandener 40-Jähriger kommt, der dir erzählt was er schon alles gekocht hat und was er alles kann, damit umzugehen. Das Problem hatte ich mal bei der VHS in Amberg, vegetarisches Grillen, 8 Frauen und ein Mann. Und der eine Mann hat seinen Messerkoffer mitgebracht. Und hat erzählt daß er bei den Hobbyköchen Amberg ist, und was er nächstes Wochenende für ein großes Menü macht. Und ich habe mir die ganze Zeit gedacht, was soll ich mit dir anfangen? Also zum Thema Ego. Wie gehe ich mit dir um? Es geht jetzt nicht um dich und nicht um mich, sondern um diesen Abend, und es geht um die anderen neun die die Augen verdrehen. Ja, Jungs sind da manchmal lustig. Also einfach strukturiert, im Sinne von: wollen wissen wo der Bartl seinen Most holt. Eine Struktur muß geklärt sein, das kennen wir von Meetings. Und ich habe mir gedacht, probieren wir's auf die Art: 'Und deine Messer, schneiden die auch?' Und habe vorgeschlagen daß wir um die Wette schneiden. Und dann standen wirklich da zwei Jungs, nebeneinander, haben Gemüse geschnitten, acht Mädels standen außenrum und haben gegrinst. Und der war danach der freundlichste, netteste, hilfsbereiteste - "soll ich den Topf noch abspülen" - ... der war eingenordet! So verrückt! Ich dachte mir nur, ich verstehe nicht warum du das brauchst, aber wenn's der Sache zuträglich ist, dann können wir auch dieses Spiel spielen. So, und beim Frank Buchholz war's dann so, daß diese Manager aus Frankfurt kamen. Frank Buchholz stellt sich vor - gut, den kannte man aus dem Fernsehen - mit 'Ich bin der Frank und wer bist Du'? 'Doktor Professor Sonstwie' und der Frank 'Peter also. Peter ich würd sagen du ziehst dein Sakko aus und die Krawatte brauchst auch ned. Und ich würd mein Hemd aufmachen, und hier ist die Schürze, und dann kochen wir miteinander.' Und ich habe mir gedacht, Ach, das geht! Man darf sich duzen! Und seit dem duze ich mindestens beim Kochen. Weil ich gar nicht anders mag.

So ist dieses Catering entstanden, dann sind wir zurück nach Regensburg, habe in der Amberger Strasse eine ehemalige Wirtshausküche angemietet. Dann habe ich was Neues gebraucht, da bin ich dann in die Obermünsterstrasse gekommen. Und habe mir die Küche geteilt mit einer die die Suppenbar betrieben hat. Und es war vor allem Lager, und manchmal das Kühlhaus nutzen und was vorbereiten. Dann habe ich viele Kochkurse in der Markthalle gemacht. In Amberg. Und Privat. Habe lange versucht ohne Angestellte zu arbeiten. Dann gab's mal ein Jahr lang wo ich mit einer gearbeitet habe die sich selbständig gemacht hat - hat nicht so gut funktioniert. Und dann ist die, die die Suppenbar gemacht hat, rausgegangen, und ich stand vor der Entscheidung entweder keine Küche zu haben oder sie selber zu mieten. Es war klar, dieses Objekt gibts nur noch zwei Jahre. Weil die Diözese das Diözesesanzentrum umbauen und dann anders widmen wird, das war 2015. Dann haben wir das von August bis Oktober in einen Zustand gebracht wo man Gäste empfangen kann. Im Grund war es ein Versuch ins Wasser zu springen und auszuprobieren ob das was ich für richtig finde, also keine Grenze zwischen Köchen=Gastgebern und Gästen. Da kann man den Wolbergs-Satz bemühen "auf Augenhöhe". Ein Miteinander, ein ihr-seht-was-wir-machen, und deshalb kann man's einfach erklären. Einfach ein Ausprobieren, sowohl wirtschaftlich, als auch dann mit Personal, mit Küchenchef, mit Lehrling, mit Spülhilfe, auch große Caterings mal zu machen, z.B. die Traumfabrik wo zweieinhalbtausend Leute in einer Viertelstunde vielleicht was wollen. Wir haben eineinhalb Jahre lang gerockt, es war geil! Es hat wirklich großen Spaß gemacht, und der Bedarf wär' wieder da. Ich hatte dann eigentlich die Idee relativ schnell weiter zu machen. Es gab die Containerlösungsidee, also 30 Hochseecontainer auszubauen, in den Hafen zu stellen. Das haben wir dann durchgerechnet mit den Architekten und es war auch bald klar, wir sind auch wieder bei 350.000, den Kosten für ein festes Gebäude, und das ist nicht schnell mal auf zwei Tage umzuziehen. Und bei einer relativ geringen Laufzeit auf die Fläche, das funktioniert nicht. Dann kam noch während der Planung ein Anruf vom Thomas Dietlmeier, der angeboten hat im neuzubauenden Immobilienzentrum-Bürogebäude, 5.Stock, Dachgarten, die Gastronomie zu machen. Ich habe ihn in den Verhandlungen unglaublich fair erlebt. Er sagt was er will und er steht auch dazu. Wir waren unterschriftsreif bis zum Zeitpunkt wo er dann verhaftet wurde. Dann ist die Unternehmensstruktur umgebaut worden und das Gebäude entsteht so nicht. Dann haben wir drei, vier Gebäude durchgecheckt, aber das war's dann auch nicht.
Ich habe schon bevor ich den Mittagstisch-Küchentisch angeboten hab' mit meiner Coaching-Ausbildung angefangen. Zweieinhalb Jahre lang beim Istop-Institut. Das hat mir in 2017 auch gut geholfen. Sich immer mal wieder selbst gradzuziehen und auch mal einen Coach zu bemühen um zu sehen wo steht man jetzt. Im Moment entsteht was ganz Spannendes, es könnte sein daß ein Gebäude wo ich schon immer draufschau ... aber das ist weit entfernt von spruchreif ... aber daß sich dieser Bereich "Coaching" in den Vordergrund schiebt. Und das Kochen, was etwas ganz Wunderbares ist, wenns mit und für die Menschen ist. Das ist der Stand gerade. Ich fühle mich jung genug um noch viel lernen zu können. Aber wir waren bei dem Ego vorher. Ich finde das ist immer der Außenblick, oder? Was Du selber von Dir siehst, und wie andere Dich sehen. Das stimmt nicht immer zusammen! Spannend!

Die Frage ist: warum machst Du's?

Ich mach' Dinge aus reinem Lustprinzip. Ich will Spaß haben.

Du machst es für Dich selber?

Ja natürlich! Ich mach's zu meinem Ding! Ich nehme ja auch kein Rezept aus einem der wahnsinnig vielen Kochbücher und koch's nach. Ich les' die Zutatenliste, ich versuch zu verstehen: in welcher kulinarischen Region sind wir, was ist der Background, was davon ist für mich von Interesse, was kann ich damit anfangen. Ich würde nie behaupten das ist mein Rezept - Du performst ein Ding und machst es Dir zu eigen. Ich erzähle immer die Geschichte von dem Wein in Italien den Du an diesem Sommerabend trinkst. Und die schlechteste Idee ist ihn mitzunehmen. Weil's immer um's Ambiente geht und die Menschen die dabei sind. Eines ohne das Andere funktioniert nicht. Dann ist es möglicherweise noch Perfektion. Aber verpack mal ein perfektes Essen in eine Plastikschale - das geht nicht! Und auf der anderen Seite kann auch das von irgendjemand mitgenommmene Sushi auf der Walhalla mit einem guten Freund das Beste sein. Ich hatte sogar auf der Walhalla mal eine Hochzeit. Die sind ein Jahr vorher zu mir gekommen, haben gesagt sie wollen heiraten und brauchen einen Raum. Dann haben wir halt keinen Raum gefunden der passend war. Dann haben's nochmal um ein Jahr verschoben. Und dann sind wir vom Raum über "was ist Euch eigentlich wichtig" zum Sonnenuntergang gekommen. Daraufhin haben wir eines der einfachen Donauschiffe gebucht, sind mit allen zur Walhalla geschippert, das Hochzeitsmenü bestand aus Picknickkörben für jeweils 6 Gäste zusammen und einem Sixpack mit Bier. Dann sind die mit ihren Picknickdecken da hoch und 100 Leute haben den Sonnenuntergang angschaut. Sehr, sehr geil! Andere Caterings lehne ich ab wenn ich merke der Braut ist es wichtiger in welchem Glas der Prosecco drin ist als das es ein Winzersekt ist.

Das kann man auch nicht erklären, oder?

Zusammenarbeit mit Kunden ist dann möglich wenn's irgendwelche eigenen Bilder gibt bei denen sie bereit sind die weiterzuentwickeln. Wenn sie nichts wissen oder behaupten mach-was-du-willst ist es enorm schwierig weils doch irgendwelche Bilder gibt. Aber: ich will mich am liebsten mit Euch auf einen Weg machen. Wir entwickeln Euer Ding. Ich steh als Sparringspartner zu Verfügung. Eigentlich sind es zwei Aufträge. Das eine ist ein Coaching- und Beratungsauftrag. Ich glaube zu wissen wieviel Löffel man braucht. Ich bin derjenige der mit an die Beleuchtungssituation denkt. Wir klären was kommt von Dir an Elementen, was kommt von mir, was kommt von irgendeinem anderen Veranstalter, Raumvermieter. Wir machen uns einen Plan. Dafür zahlt ihr mir einfach 3-4 Stunden, also das was ich halt brauch. Dann gehört euch der Plan und die Idee. Wenn ihr mich dann bucht ist's super. Aber wenn ihr damit zum Metzger Huber geht ist's auch okay. Aber das war schon auch das Problem. Hey, ich hab dir alles erklärt. Und jetzt machst du's bissl schlechter und a bissl billiger.

Das ist doch der typische Lehrer-Fehler. Pass bloß auf daß Du nicht alles erklärst. Weil es geht nicht darum.

Es gibt einen Grundsatz der heißt "Kein Coaching ohne Auftrag." Kochen ist ja auch ein Allgemeingut. Mein Lieblingssatz dazu ist: "Mein Mann ist ja auch Hobbykoch". [Der Interviewer schaut komisch, denkt ein paar Sekunden nach, dann Gelächter] Gell, dDer braucht a bissl.

Du bist ja viel mehr als ein Koch?

Es geht mir um viel viel mehr als Essen auf die Teller zu bringen. Nein, es geht nicht ums Essen. Es geht darum was man ins Essen intellektuell und energetisch reinpackt. Deshalb geht auch Kochen mit Arschlöchern nicht. Und es geht deswegen auch nicht mit einer schlechten Zutat. Es muß in sich schlüssig und stimmig sein, und dann gehts eben nicht um Kochen sondern um Gastgeben oder Menschen zusammenbringen oder Situationen herzustellen die einem selbst Spaß machen. Daß es also nicht mehr um Arbeiten geht. Es ist eh a bissl hart da draussen. Es macht keinen Sinn es sich noch härter zu machen.



Christoph, vielen Dank für das spannende Interview!
Hier ist die Internetseite:
www.hausers-kochlust.de

Ausgewählte Zitate aus dem Interview:


Tolle Menschen im Interview - das gibt's bei regensburg-regional.de

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