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Interview mit der frischgebackenen Autorin Anja Witschel

Autorin, Sportlerin, Finanzberaterin Anja Witschel in Regensburg

Anja Witschel über Mut und Unterstützung - und wie sie als junge Witwe aus dieser kritischen Lebenssituation gestärkt hervorging

Wer bist Du und was machst Du?
Beruflich bin ich tätig als Finanzberaterin. Privat bin ich vor allem sportlich aktiv. Darüberhinaus engagiere ich mich bei einem bundesweit aktiven Netzwerk für Business-Frauen. Zudem bin ich Autorin, habe gerade mein Buch veröffentlicht.

Was ist das für ein Buch, wie bist Du dazu gekommen ein Buch zu schreiben?
Ich bin verwitwet und aus dem Wunsch heraus dass dies alles was mir passiert ist einen Sinn haben möge habe ich Anfang des Jahres die Entscheidung getroffen: ich schreibe ein Buch darüber. Das war so ein Herzensthema dass ich's im Frühjahr des Jahres gleich angepackt habe. Trotz des auf den ersten Blick schweren Themas ist es ein "Mutmacher" geworden. Das war mir wichtig!

Wie meinst Du das?
Der Tod gehört zum Leben dazu. Der Mutmacher besteht darin dass man selbst die Verantwortung übernehmen kann für sein Leben - und letztlich auch muss, um voranzukommen.

Was hat das dann für einen Sinn wenn der Partner verstirbt? Wenn man machtlos ist gegenüber dem Tod. Wie gehst Du damit um?
Das war das erste Mal in meinem Leben dass ich in einer Situation war in der ich mich ohnmächtig fühlte. Ich war bis dato gewöhnt Entscheidungen zu treffen und Dinge in die Hand zu nehmen. Ich habe die Erfahrung gemacht dass ich Situationen ändern kann. Aber einen Menschen kann man nicht wieder lebendig machen. Ich wollte so schnell wie möglich wieder handlungsfähig sein. Was ich währenddessen wahrgenommen habe - und in der Zeit danach noch viel stärker - ist dass es enorm ist was der Mensch ertragen kann wenn er's muss. Das war faszinierend und Ansporn gleichzeitig. Wenn man überleben will, was man dann schaffen kann. Daraus gestärkt hervorzugehen, das habe ich gelernt - wenn ich will dann kann ich alles schaffen.

Wie lange ist das jetzt her?
Zehn Jahre. Und vorher waren wir zehn jahre lang zusammen. Deshalb wollte ich das Buch auch dieses Jahr noch veröffentlichen, denn das ist der Sinn den ich jetzt gefunden habe: dass ich diese Erfahrungen mit der Trauer weitergeben kann. Mein Weg war nicht auszuweichen sondern diese Trauer bewußt zu erleben, mitten durch zu gehen. Es gibt vielleicht vermeintlich leichtere Wege aber ich wollte da durch um den Weg frei zu haben für ein glückliches Leben und um nichts mitzuschleppen. Und irgendwann war ich so dankbar für die gemeinsam erlebten zehn Jahre dass diese Dankbarkeit irgendwann stärker war als das "Verlassenwordensein". Daraus habe ich die Kraft gezogen um mich selbst da herauszuziehen. Also "Dankbarkeit in Fülle".

Was sind Deine wichtigsten Werte?
Freiheit bzw. Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig. Und Fitness, Bewegung bzw. Sicherheit aus der eigenen körperlichen Kraft heraus, sich auf den Körper verlassen können, die Energie spüren das hängt damit zusammen. Insofern "Gesundheit". Und Dankbarkeit und Lebensfreude, das sind schon meine Themen.

Wo gibt's denn Dein Buch?
Ich habe das Buch selbst mit Hilfe von "epubli" veröffentlicht, dort gibt's das Buch, dort ist auch der Link zu Amazon. Zudem ist es im örtlichen Buchhandel zu erwerben - und direkt bei mir. Durch mein Buch habe ich die Freude am Schreiben wieder entdeckt. Ich hatte in der Jugendzeit durch die wechselnden Arbeitsorte meines Vaters bedingt einige Schulwechsel - und habe dann mit meinen Freunden Briefe geschrieben. Das war die Möglichkeit miteinander in Kontakt zu bleiben. Das hat mir immer Freude gemacht und das hat sogar Freundschaften vertieft. So sind Freundschaften über dreißig Jahre lang erhalten geblieben, über große Entfernungen hinweg.

Wie groß bist du? Und wie ist das Leben als große Frau?
1,82 Meter (lacht). Ich kanns mir anders nicht vorstellen, sehr schön, man hat den Überblick (lacht). Und mit vierzehn Jahren habe ich passenderweise auch Basketball gespielt. In Lippstadt und Weilheim habe ich gespielt, da hat uns eine Spielerin aus der Weilheimer Bundesligamannschaft gecoacht - man kann sogar sagen gedrillt (lacht) ...

Was hast Du vom Sport gelernt?
Der Ausdauersport hat mir gezeigt wozu ich - in Verbindung mit meinem Körper - fähig bin, und dass ich da auch Kraft und Energie heraus ziehen kann. dass ich große Ziele in Etappen einteilen darf die gut zu meistern sind. dass Ausdauer belohnt wird. Letztes Jahr habe ich mein Highlight im Radsport absolviert. Ich bin vom Genfer See nach Nizza über die französischen Alpen geradelt. Diese Anstrengung und die Belohnung wenn Du dann ganz oben auf der Passhöhe bist, das ist großartig. Das waren in Summe ca. 800 km und 12.000 Höhenmeter, die zu überwinden sind. Man konzentriert sich nur auf das Erreichen der einzelnen Zwischenziele - und auf einmal bist du in Nizza am Strand :-)

Du bist Finanzberaterin: Wie werde ich am schnellsten Millionär? Kann jeder Millionär werden?
Weniger ausgeben als man einnimmt (lacht). Es gibt soviele Dinge mit denen man sich reich fühlen kann. Das rein auf die Zahlen zu reduzieren würde hier zu kurz greifen. Und das Millionär sein wollen … ist ja oft ein "wenn dann Geschäft": "Wenn ich Millionär bin dann bin ich glücklich". Wirklich? Das ist eine Suche im Aussen und die kann nicht funktionieren. Das Leben findet im hier und jetzt statt. Und in diesem Moment gibt es alles im Überfluß wenn man will: Energie. Fülle. Dankbarkeit.

Was ist der Sinn des Lebens?
Es gibt einen Satz der mir begegnet ist und den ich sehr treffend finde: "die Gegenwart ist die einzige Zeit die uns wirklich gehört." Ich glaube der war einmal auf einer Trauerkarte, das weiß ich nicht mehr genau. Diesen Satz habe ich auch in meinem Buch zitiert weil er so gut passt. Interessanterweise passt das "Hier und Jetzt" auch zum Sport: Ich habe vor einigen Jahren mit dem Windsurfen angefangen. Das ist ein toller Sport, denn ich spüre dabei die Naturkräfte und bin immer in dem Moment präsent, ich denke dann nicht was vorher war oder wie die nächsten Meter sind sondern bin gerade nur da. Und surfe!

Du warst schon mal im Fernsehen? Erzähl doch mal!
(lacht) Es ist schon so lange her … ich schätze so 2001 oder 2002, da war ich bei einer Talkrunde bei TVA eingeladen. Die Sendung wurde gemacht um Studenten beim Berufseinstieg zu unterstützen, das war in der Anfangszeit meines beruflichen Starts in Regensburg als Finanzberaterin. Da habe ich schwerpunktmässig Studenten zum Thema Finanzen beim Berufseinstieg beraten und Seminare dazu gehalten. Ich muss mal schauen ob ich die Kassette noch finde!

Was würdest Du machen wenn Du nicht mehr arbeiten müsstest?
Viel Reisen. Nach Neuseeland zum Beispiel. Aber das werde ich sowieso machen (lacht). Ich arbeite aber auch so gern (lacht). Was gut wäre: Ich hätte mehr Zeit für Sport.

Was ist dieses Business Frauen-Netzwerk in dem Du bist, wie oft trefft Ihr Euch und was passiert da?
Das ist ein reines Frauen-Netzwerk, ein Netzwerk für Frauen aus Business und Karriere - so lautet die offizielle Beschreibung. Wir treffen uns einmal im Monat abends um halb sieben, in Regensburg ist das immer der zweite Mittwoch im Monat, zur Zeit im Haus Heuport. Inhalt ist ein Impulsvortrag und Zeit zum Netzwerken. Das Netzwerk ist bundesweit aktiv und ich leite den Standort hier in Regenburg. Wie ich dazu gekommen bin: ich habe Ende 2012 recherchiert was es in punkto Netzwerke gibt. Da habe ich das 'W.I.N - Women in Network' gefunden und habe mir das mal angeschaut in München - damals fanden die Treffen im Bayerischen Hof statt. Und so bekam ich das Angebot, 'Regensburg' wieder zu starten, das fand ich reizvoll dieses Format in Regensburg anzubieten - und besser als immer nach München zu fahren. WIN ist für Unternehmerinnen und Businessfrauen die sich auch überregional vernetzen wollen. Es ist ein Termin im Monat der einem Energie gibt, mit Austausch untereinander, einmal aus dem üblichen Tagesgeschäft rauszugehen, Neues kennenzulernen. Ein Forum der Weiterentwicklung, im Schnitt kommen fünfzehn Teilnehmerinnen, das wird aber noch ausgebaut (lacht). Sichtbarkeit ist ein großes Thema für diese Frauen, was kann man z.B. in punkto Social Media oder Vorträge etc. machen. Alle wollen erfolgreicher werden. Jeder ist aber vielleicht gerade an einer anderen Stelle, will aber weiterkommen, beruflich oder vielleicht auch persönlich. Es geht also darum das Business beziehungsweise die Karriere weiterzubringen aber auch sich persönlich zu entwickeln. Vielleicht mal etwas anderes anpacken, sich Mut und Unterstützung zu holen. Das funktioniert sehr gut, denn das Netzwerk ist wie ein "geschützter Raum", wo man auch mal sagen kann was nicht gut läuft und das bleibt in diesem Kreis. Aber auch einmal miteinander zu feiern wenn etwas gut läuft ist toll! Da kommt dann auch eine Welle der Unterstützung und Wertschätzung, daran wachsen die Frauen auch.

Das hört sich großartig an! Jetzt zur letzten Frage: Was machst Du heute noch?
Sport. Noch einen lockeren zehn-Kilometer-Lauf, an der Donau entlang, bei diesem perfekten Wetter! Jede Jahreszeit hat ihren Reiz und jetzt kommt der schöne Herbst.

Vielen Dank für das Interview und Deine Zeit Anja!


Wer mehr über Anja Witschel erfahren möchte - hier sind einige Links:
www.facebook.com/neueLebensfreude bzw. www.facebook.com/DynamischesFinanzcoaching und Women in Network | Regensburg



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